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das kirchenjahr
Unter dem Kirchenjahr (liturgisches Jahr) versteht
man den Ablauf der liturgischen Feste und Feiern innerhalb eines Jahres. Es
fällt nicht mit dem normalen Jahresablauf zusammen. Das Kirchenjahr soll,
ausgehend vom Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfest, die Erlösungsgeschichte des
Menschen widerspiegeln und sie immer wieder in Erinnerung rufen.
Geschichtliche Entwicklung
Die
Gesamtheit der liturgischen Feste während des Jahres ist lange Zeit nicht als
Einheit aufgefasst worden. In der katholischen Kirche finden wir den Ausdruck
"liturgisches Jahr" erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zu entwickeln begann
sich aber die Idee eines liturgischen Jahresablaufes ca. ab dem 10./11.
Jahrhundert, als man die Texte der Adventzeit an den Anfang der liturgischen
Bücher zu stellen begann.
Die Mittelpunkte des Kirchenjahres
Das Kirchenjahr dreht sich um zwei Achsen: um das
Osterfest und um den Sonntag. Ostern ist die Zeit des Leidens, des Todes und der
Auferstehung Christi. Es ist daher das Hauptfest des christlichen Glaubens, bei
dem wir unsere Erlösung feiern.
Der Sonntag ist der erste Tag der Woche, der Tag an dem Christus von den Toten
auferstanden ist. Er ist ein "kleines" Osterfest, das sich wöchentlich
wiederholt. Schon im Alten Testament war der siebente Tag der Woche geheiligt,
der Samstag (Sabbat). An diesem Tag ruhte sich nach dem Buch Genesis Gott von
seinem Schöpfungswerk aus und gebot, diesen Tag heilig zu halten. Im Judentum
ist der Samstag bis heute Feiertag. Für das Christentum wurde aber der
Auferstehungstag Christi zum "Ur-Feiertag".
Der Ablauf
des Kirchenjahres
Das Kirchenjahr hat drei große Zyklen: den
Weihnachtsfestkreis, den Osterfestkreis und die Zeit im Jahreskreis.
Der
Weihnachtsfestkreis
Der Advent
Dem
Weihnachtsfest voran geht eine Vorbereitungszeit von ca. vier Wochen, der Advent
(von lat. adventus = Ankunft). Der Advent ist aber nicht nur Vorbereitung
auf das jährlich wiederkehrende Weihnachtsfest, sondern auch auf die Erwartung
der Ankunft Christi am Ende der Welt.
Die Weihnachtszeit
Die
Weihnachtszeit beginnt mit dem Hochfest der Geburt Christi am 25. Dezember. Der
"Heilige Abend" ist also nur der Vorabend zu diesem Fest. Ursprünglich feierte
die Kirche das Weihnachtsfest erst am 6. Jänner, in der Westkirche setzte sich
aber der aus dem Heidentum kommende (Fest des Sonnengottes) jetzige Termin
durch.
Der Sonntag nach Weihnachten ist das Fest der Heiligen Familie (erst im 19.
Jahrhundert entstanden).
Am 1. Jänner wird das Hochfest der Gottesmutter Maria gefeiert, an dem auch der
Namensgebung Jesu gedacht wird.
Der Osterfestkreis
Die österliche Bußzeit (Fastenzeit)
Bereits im 2.
Jahrhundert bereiteten sich die Christen durch Fasten auf das Osterfest vor. Die
Länge dieser Fastenzeit war bald 40 Tage, in Anlehnung an das 40tägige Fasten
Jesu in der Wüste.
Die österliche Bußzeit beginnt mit dem Aschermittwoch, zieht sich über fünf
Fastensonntage, den Palmsonntag und endet am Karsamstag. Die Sonntage werden
nicht als Fastentage mitgerechnet, so kommt man genau auf 40 Tage. Die letzten
beiden Wochen ab dem 5. Fastensonntag (Passionssonntag) wird auch Passionszeit (lat.
passio = Leiden) genannt. In dieser Zeit werden die Kreuze und
Altarbilder verhüllt, weil der Prunk der oft kostbar gestalteten Gegenstände
nicht mit dem Trauercharakter zusammenpassen.
Die Karwoche (altdeutsch Kara
= Klage)
Der Palmsonntag: An diesem Tag
erinnern wir uns bei der Palmprozession an den Einzug Jesu in Jerusalem. In der
Kirche wird dann die Passionsmesse gefeiert, bei der die Leidensgeschichte
Christi verlesen wird.
Die drei österlichen
Tage
An diesen drei
Tagen gedenken wir des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn. Sie
sind der Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres und in ihrer Wichtigkeit untrennbar
miteinander verbunden.
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Am Gründonnerstag
(mittelhochdeutsch greinen = weinen) feiert die Kirche die
Einsetzung des eucharistischen Sakramentes. Obwohl dieser Tag festlich
begangen wird, sind die Vorzeichen der Trauer über das Leiden Christi
merkbar (Tabernakel leer, Orgel verstummt, Glocken läuten nicht).
Mittelpunkt der Liturgiefeier ist in ganz besonderer Weise die
Eucharistiefeier. Der Ritus der Fußwaschung soll an die Liebe Christi
erinnern und uns ein Beispiel des Dienens geben. Am Ende der Feier wird
das Altarsakrament in einen Raum außerhalb der Kirche gebracht. Grund
dafür ist, dass am Karfreitag jeder Schmuck von den Altären genommen
wird, das Allerheiligste aber trotzdem würdevoll aufbewahrt werden soll.
Diese Prozession soll aber auch an den Ölberggang des Herrn erinnern. |
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Am Karfreitag
sind alle Altäre abgedeckt und schmucklos. An diesem Fasttag ist seit
alters her keine Heilige Messe. Die ergreifende Karfreitagsliturgie,
die, wenn möglich, um die Sterbestunde Jesu stattfinden soll, bildet
drei Teile:
-
Wortgottesdienst: Nach dem stillen Einzug und der Prostratio der
Priester als Zeichen der tiefen Trauer und Erschütterung werden zwei
Lesungen und die Leidensgeschichte nach Johannes verlesen. Wie jeder
Wortgottesdienst, so endet auch dieser mit den Fürbitten, die am
Karfreitag besonders feierlich gestaltet sind.
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Kreuzverehrung: Ein verhülltes Kreuz wird den Gläubigen gezeigt und
feierlich enthüllt. Das Kreuz ist, nachdem es zwei Wochen verhüllt
war, wieder als Zeichen des Heiles und des Sieges sichtbar. Danach
kann es von den Gläubigen verehrt werden.
-
Kommunionfeier: Das Altarsakrament wird wieder in die Kirche
gebracht und den Gläubigen gereicht. In den Alpenländern endet die
Liturgie mit der Grablegung. Das Allerheiligste wird in der
Monstranz zu einem Seitenaltar gebracht, der als Grab umgestaltet
ist, und dort bis zur Osternacht verwahrt.
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Am Karsamstag
ist wie am Karfreitag keine Heilige Messe.
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In der Osternacht
feiert die Kirche das zentrale Geheimnis ihres Glaubens: die
Auferstehung Christi von den Toten. Die Feier soll erst nach Einbruch
der Dunkelheit beginnen und vor Tagesanbruch enden. Die Osternacht
gliedert sich in vier Teile:
-
Lichtfeier: Die Entzündung der Osterkerze stellt uns "Christus,
das Licht" vor Augen. Als Symbol der Auferstehung wird es in die
dunkle Kirche getragen und an alle Gläubigen weitergegeben. Das "Exultet",
der feierliche Lobgesang, preist die Liebe Gottes, die in der
Auferstehung ihren Höhepunkt erreicht hat.
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Wortgottesdienst: Er ist als Nachtwache gestaltet. Sieben
alttestamentliche und zwei neutestamentliche Lesungen zeichnen die
Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen nach, beginnend mit der
Schöpfung bis zum Evangelium mit der Auferstehung. Besonders
feierlich wird auch das Gloria und das Halleluja angestimmt, die
während der Fastenzeit nicht gesungen wurden.
-
Tauffeier: Ostern ist seit urchristlicher Zeit DER Tauftermin. So
wird in der Osternacht Taufwasser geweiht, wenn möglich getauft und
das Taufversprechen der Gläubigen erneuert.
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Eucharistiefeier: Sie fasst das Ostergeheimnis nochmals zusammen und
krönt die Liturgie der Osternacht. Im Anschluss daran wird vielerorts
in einer Auferstehungsprozession das Allerheiligste vom Grabesaltar
wieder in den Tabernakel gebracht.
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Die Osterzeit
Mit der
Osternacht ist die Osterzeit angebrochen, die sich über 50 Tage ausdehnt. Das
Osterfest wurzelt in der Pesachfeier (Paschafeier) des Judentums. Das Pesach ist
das Gedächtnisfest für den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Zur Zeit Jesu
wurde das Pesach als Wallfahrtsfest in Jerusalem gefeiert. Im Zentrum der Feier
steht ein rituelles Mahl, das im Kreis der Familie oder einer anderen
Gemeinschaft gehalten wird. Dieses große Fest wurde zufolge jüdisch-antiker
Tradition nicht an einem Tag gefeiert, sondern dehnte sich aus bis zum 50 Tage
später stattfindenden "Wochenfest", einem Erntedankfest. Die Christen übernahmen
diese 50tägige Festzeit bereits im 2. Jahrhundert.
Am 40. Tag nach dem Ostersonntag wird das Hochfest Christi Himmelfahrt gefeiert,
dessen Ursprünge bis in das 4. Jahrhundert zurückreichen.
Am 50. Tag nach dem Ostersonntag, als Abschluss des Osterfestkreises ist das
Pfingstfest, bei dem die Kirche die Sendung des Heiligen Geistes feiert.
Die Zeit im Jahreskreis
Die Zeit zwischen den beiden Festkreisen bezeichnet man als die
Zeit im Jahreskreis. Als erster Sonntag im Jahreskreis zählt das Fest der Taufe
des Herrn. Der Jahreskreis wird durch den Osterfestkreis unterbrochen und setzt
sich am Sonntag nach dem Dreifaltigkeitssonntag wieder fort. Einige so genannte
Herrenfeste fallen in diese Zeit:
-
Das
Hochfest der Dreifaltigkeit wird am Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Es ist
ein Rückblick auf das gesamte österliche Geschehen.
-
Das
Hochfest des Leibes und Blutes Christi (Fronleichnam) wird am Donnerstag
nach dem Dreifaltigkeitsfest begannen. Es hat die bleibende Gegenwart
Christi in den eucharistischen Gestalten zum Inhalt und wurde im 13.
Jahrhundert eingeführt.
-
Das
Herz-Jesu-Fest wird seit dem 19. Jahrhundert am dritten Freitag nach
Pfingsten gefeiert. Es erinnert an die Liebe Christi zu den Menschen.
-
Das
Christkönigsfest wurde 1925 eingeführt und am letzten Sonntag im Jahreskreis
gefeiert. Es hat die Königsherrschaft Christi über Himmel und Erde zum
Inhalt.
Wichtige Heiligenfeste
Daneben
gibt es viele Feste, an denen die Kirche ihrer Heiligen gedenkt (hier sind nur
die als Hochfeste gefeierten Heiligengedenktage genannt):
-
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter - Maria Empfängnis (8.
Dezember)
-
Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel - Maria Himmelfahrt (15. August)
- Bei
uns der Tag des Hl. Stephanus - Pfarr- und Diözesanpatron (26. Dezember)
- Hl.
Josef (19. März), Geburt Johannes des Täufers (24. Juni), Petrus und Paulus
(29. Juni), Allerheiligen (1. November).
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